Wichtige Fragen:
1.) Sind Bonsai eigentlich Winterhart ?
Das richtet sich danach, um welche Sorte Gehölz
es sich im Einzelfall handelt. Buche, Linde usw.... sind
absolut Winterhart, andere z. B. Jap. Fächerahorn nur
bedingt, er verträgt allenfalls Temperaturen von -5°
bis max. -8° C. Sollten die Temperaturen unter -10° C
sinken, wäre es sinvoll, den Baum geschützt
aufzustellen um 0° C. Ficus kann z. B. keinen Frost
vertragen, aber Temperaturen von 1 bis 2° C, wenn,
vorausgesetzt, dieser den ganzen Sommer bis weit in den
Herbst rein draußen gestanden hat, denn in diesem
Zeitraum hat der Ficus Zeit genug gehabt , sich an die
niedrigen Temperaturen zu gewöhnen.
2.) Was ist besser, Tauchen der Bäume
oder Gießen ?
Ich persönlich habe in den letzten 15 Jahren, egal
wie heiß die Sommer waren, keinen meiner Bäume getaucht.
Ich ziehe ein ausgewogenes Gießen vor. Allerdings
sollten Bonsai Anfänger die Bäume besser tauchen.
Vorteil des Tauchens, das Erdreich saugt sich schneller
voll als beim Gießen.
3.) Wann werden die Bonsai zurückgeschnitten
?
Es hängt ganz von dem zu schneidenden Gehölz und
der Jahreszeit ab. Die tropischen und subtropischen
Bonsai ( Indoor ) können eigentlich das ganze Jahr über
geschnitten werden. Allerdings machen auch die Indoor
Bonsai eine Winterruhe durch, dann sollte nicht
geschnitten werden. Der Saftfluß ist in dieser Phase
nicht so ausgeprägt, so daß die Schnittstellen nicht
gut verheilen können und in diesem Zeitraum kaum
Knospenbildung erreicht wird. Bei den Freiland- Bonsai (
Outdoor ) ist das wieder anders, denn der Grundschnitt
erfolgt im zeitigen Frühjahr, wenn die Knospen zu
schwellen beginnen. Sind die ersten Knospen geöffnet, so
wird ab diesem Zeitpunkt bis im August ständig
geschnitten, damit der Baum nicht aus der Form gerät.
Ende August sollte nicht mehr zurückgeschnitten werden,
weil ab diesem Zeitpunkt die Knospen für das darauf
folgende Jahr gebildet werden.
4.) Wie und wann werden die Bonsai
umgepflanzt ?
Auch hier hängt das ganz vom Alter und Art des
umzupflanzenden Gehölzes ab. Nadelbäume werden in der
Regel im Herbst umgepflanzt und Laubbäume werden im Frühjahr
umgepflanzt. Die Tropischen und Suptropischen können,
vorausgesetzt, sie stehen nicht kalt ( Überwinterung )
das ganze Jahr umgepflanzt werden. Grundsätzlich geht
man beim Umpflanzen folgendermaßen vor: Zuerst lösst
man den Wurzelballen vom Schalenrand und hebt den Bonsai
vorsichtig aus der Schale. Unter Zuhilfenahme einer
Wurzelkralle entfernt man vom Stamm nach außen einen großen
Teil des Erdreiches. Liegen die Wurzeln frei, können 1/3
der Wurzeln zurückgeschnitten werden. Dicke Wurzeln die
stören, entfernt man. Nach Abschluß des Wurzelrückschnittes
wird die Schale vorbereitet. Soll der Baum in der selben
Schale verbleiben, ist es wichtig, die Abzugslöcher für
überschüßiges Wasser zu überprüfen. Durch die
Abzugslöcher kann man vom Schalenboden aus
Befestigungsdrähte einbringen, damit der Baum sicher in
der Schale steht. Die Schale soll nach Möglichkeit am
Schalenboden mit einer Drenageschicht versehen sein.
Hierzu eignet sich Kies oder ähnliches, allerdings
sollte die Körnung um 5 mm liegen. Die Drenageschicht füllt
in der Höhe der Schale ungefähr 1/3 des Schalenbodens
aus. Der Baum soll asymetrisch in der Schale stehen. Auf
die Drenageschicht folgt die ausgesiebte Erde, grobe Körnung
zuerst, dann feiner werden. Es muß darauf geachtet
werden, daß die Zwischenräume der Wurzeln gut mit Erde
ausgefüllt sind. Zum Abschluß soll die Erdeoberfläche
so gestaltet sein, daß sie zur Stammbasis leicht
ansteigt und am Schalenrand muß ein Gießrand verbleiben.
Jetzt kann auf die Erdoberfäche etwas Moos aufgebracht
werden. Weitere Infermationen zu dem Thema Umpflanzen
finden Sie auf meiner Homepage unter: Pflegemaßnahmen
5.) Ist ein Blattschnitt eigentlich
sinvoll ?
Ja, vorausgesetzt man führt diesen richtig durch.
Der Blattschnitt sollte, wenn überhaupt, Ende Juni
erfolgen, dann, wenn die Blätter ausgehärtet sind. Wenn
der Blattschnitt durchgeführt wird, muß auch der
Terminaltrieb mit entfernt werden, weil sonst die neue
Blattganitur wieder zu groß wird. Es ist auch wichtig,
daß der Bonsai, an dem der Blattschnitt durchgeführt
wird, gesund ist. Hält man alle vorbezeichneten Punkte
genau ein, so kann die gesamte Blattmasse entfernt werden.
Die neue Blattganitur wird in seiner gesamten Masse größer,
jedoch werden die einzelnen Blätter kleiner.
6.) Ist eine regelmäßige Spritzung mit
Winteröl erforderlich ?
Eine regelmäßige Spritzung mit Winteröl ist nicht
zwingend. Denoch kann das regelmäßige Einsetzen von
Winterölen einen großen Vorteil haben. Denn der Sinn
liegt eigendlich darin, daß die normalerweise überwinternden
Schädlinge mit diesem weißölhaltigen Spritzmittel
erstickt werden. Ich selber setze sehr gerne das o. g.
Spritzmittel ein, weil erfahrungsgemäß nach der
ordnungsgemäßen Anwendung in der gesamten
Wachstumsperiode kaum noch Schädlinge auftretten. Dieses
Spritzmittel bietet den Vorteil, daß Nützlinge keinen
Schaden nehmen. Erhältlich ist das Mittel in
Gartencentern etc.
7.) Können die Bonsai im Sommer die
volle Sonne vertragen ?
Das hängt ein wenig von der jewaligen Art des
Baumes ab. Meine Erfahrung ist die, daß die meisten
Sorten der Bäume, die bei uns heimisch sind, mühelos
auch die volle Mittagssonne ( 35° C ) und auch mehr
vertragen. Hierbei ist es wichtig zu wissen, daß die
Bonsai, die je nach Größe des Baumes teilweise nur sehr
kleine Schalen und somit wenig Erde zur Verfügung haben,
aus diesem Grunde in der heißen Zeit eine optimale
Wasserversorgung bekommen. Ist die Erde während der heißen
Zeit genügend "naß", so haben die Bäume auch
keine Probleme, die große Hitze zu verarbeiten.
8.) Wie behandelt man Bonsai, die von
Blattläuse befallen sind ?
In der Regel stellen Blattläuse für die gesunden Bonsai
keine Probleme dar. Denoch sind Blattläuse saugende Schädlinge
und sollten aus diesem Grund entfernt werden, weil die
Bonsai bei Befall von Blattläusen durch das Saugen der Läuse
zuviel Saft verlieren und dadurch geschwächt werden. Es
gibt verschiedene Methoden, die Blattläuse von den
Bonsai zu entfernen. Eine von mir praktizierte Methode
ist eine Schmierseifenlösung, bestehend aus 500 ml
Wasser und 3 bis 5 ml Schmierseife. Das ganze gut geschütelt
in einer Sprühflasche geben und zweimal pro Woche
tropfnaß aufsprühen. Spätestens nach der zweiten
Spritzung dürften keine Läuse mehr vorhanden sein. Eine
andere Möglichkeit ist das Anwenden von im Handel erhältlichen
Spritzmitteln. Auch hier gibt es große Unterschiede,
denn meiner Meinung nach ist es nicht erforderlich, mit
Chemiekalien Blattläuse zu entfernen. Es gibt auch
biolgische Produkte die ebenso wirksam sind wie
Chemiekalien. Schon aus ökologischen Gesichtspunkten
sollte man auf Chemie verzichten. Ausserdem können
Blattläuse schon mit einem einfach regelmäßig
angewandten Wasserstrahl vertrieben werden.
9.) Was ist zu tun, wenn ein Bonsai Staunäße
bekommt ?
Bei Staunäße ist es wichtig, daß man zuerst mal das
Erdsubstrat auf Verdichtung überprüft. Hierzu gibt es
eine ganz einfache Methode. Den Bonsai ganz normal gießen
und die Erdoberfläche genau beobachten. Zeigt sich auf
der Erdoberfläche nach dem Gießen eine Pfützenbildung,
so daß das vorhandene Wasser auf der Erdoberfläche nur
verzögert im Erdreich versickert, dann kann man davon
ausgehen, daß der Bonsai durch die Staunäße einen
Wurzelschaden bekommen hat, oder auch schon vorliegt.
Jetzt ist es wichtig, richtig vorzugehen, das hängt
allerdings von der Jahreszeit ab, wann der Wurzelschaden
auftritt. Ist es Hochsommer, so ist ein Vorgehen
schwieriger als im Frühjahr, denn zu diesem Zeitpunkt
ist ein Umpflanzen kaum möglich. Sollte das der Fall
sein, dann wird das verdichtete Erdreich bei dem
betroffenen Bonsai, mit einem dünnen Stab von oben
aufgelockert und mit genügend Luftlöchern versehen,
damit die noch intakte Wurzelmasse mit ausreichend
Sauerstoff versorgt werden kann. Ganz wichtig ist es während
dieser Zeit, daß nur die Wassermenge verabreicht wird,
die der Bonsai während des Wurzelschadens aufnehmen kann.
Ist der Herbst gekommen, so wird es höchste Zeit, den
Bonsai umzupflanzen und die kranken Wurzeln zu entfernen.
Wenn der Schaden an den Wurzeln nicht so groß ist, wird
der Bonsai mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit im Frühjahr wieder gesund austreiben.
Übrigens erkennt man einen Wurzelschaden daran, daß der
Neuaustrieb regelrecht vertrocknet und die Blattspitzen
schwarz werden.
10.) Wie oft sollten neue Triebe zurückgeschnitten
werden ?
Die bereits bekannte Regel, daß man den Neuaustrieb bis
auf 8 Blattpaare durchwachsen lassen sollte, ist nicht
richtig, denn wenn der Neuaustrieb so weit durchwächst,
wird der Triebansatz zu dick. Das führt dann dazu, daß
die Verzweigung zu dick und unansehnlich wird. Sinnvoll
ist es, den Neuaustrieb direkt zu pinzieren, so daß nach
dem zweitem Blattpaar der darauf folgende Trieb entfernt
wird. Führt man diese Vorgehensweise an allen Trieben
den ganzen Sommer kontinuierlich durch, so hat das zur
Folge, daß die entstehende Verzweigung viel dichter und
feiner wird. Der Baum wird in seiner Ästhetik
ansprechender und kompakter.
C. Becker
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