Pflegearbeiten:

Januar   Oft zeichnet sich der Januar durch besonders harten Frost aus. Wird im Garten ohne Bonsai-Schale überwintert, sollten die Laubbäume, besonders Eichen, bei Temperaturen unter - 10°C zusätzlich mit Laub, Stroh oder mit Folie abgedeckt werden. In milden Wintern kann jetzt Winteröl gegen Winterstadien verschiedener tierischer Schädlinge gespritzt werden. Wird frostfrei überwintert, sind Insektizide ohne Öl im allgemeinen erfolgreicher. Allerdings wirken manche Mittel erst ab einer bestimmten Mindesttemperatur. Eichen müssen auf Schildläuse und Apfelbäume auf Blattläuse unter- sucht und nach der Spritzung der Erfolg überprüft werden. An frostfreien Tagen können junge Findlinge und Rohlinge aus dem Feld genommen werden. Sie sollten bis zum Frühjahr allerdings frostfrei gehalten werden.

Februar  Wenn noch nicht erfolgt, kann jetzt eine Spritzung mit Winteröl gegen Überwinterungsstadien von Schadinsekten vorgenommen werden. Bei frostfreier Überwinterung treiben jetzt die Pfaffenhütchen. Mit dem Erscheinen der ersten Blattspitzen kann eine Spritzung gegen echten Mehltau und eine weitere gegen andere Schadpilze erfolgen. 

März  Erle, Hasel und Ulmen beginnen mit der Blüte. Die meisten Bäume können jetzt aus dem Winterquartier genommen und die Laubgehölze sowie die Lärche können soweit zurückgeschnitten werden, dass ein Teil des folgenden Neuaustriebes am Baum verbleiben kann. Alle Laub- und Nadelbäume können jetzt umgepflanzt werden. Ein kräftiger Wurzelschnitt kann erfolgen und jetzt ist die beste Zeit, die Erde zu wechseln. Fehlende Äste können jetzt angepfropft werden. Laubbaum-Findlinge werden jetzt am erfolgreichsten ausgegraben. Im Feld stehende Rohlinge können jetzt am besten in ihre erste Schale gepflanzt werden. Auch ungeschützt stehende Pfaffenhütchen treiben bis Ende des Monats aus. Eine Spritzung - wie oben erklärt - sollte jetzt erfolgen.

April  Jetzt treiben fast alle Bäume, nur Eiche, Esche und Rotbuche können noch bis Mai warten. Bei diesen werden jetzt fehlende Äste noch angepfropft. Spätfröste werden von den meisten heimischen Gehölzen ertragen. Vor niedrigen Temperaturen müssen bereits ausgetriebene Bäume aber geschützt werden. Hierzu können sie im Notfall schon mal die eine oder andere Nacht mit in die Wohnung genommen werden. Besonders empfindlich sind Eiche, Esche, Walnuss und die Fichte. Der Neuaustrieb der Laubgehölze wird je nach Entwicklungsstadium ca. 8 - 14 Tage nach dem Austreiben mehr oder weniger stark zurückgeschnitten. Die Düngung wird mit einer kräftigen Grunddüngung begonnen. Bei Apfel und Birne den Stickstoffanteil noch nicht so hoch wählen, da sonst die Blüte bzw. die Früchte ausbleiben können. Auf besonders kleine Blätter oder Nadeln sollte nur bei alten und gut entwickelten Bäumen Wert gelegt werden, denn je kleiner die Blätter sind, um so langsamer entwickelt sich der Baum weiter. Die Laubbäume sollten vorsorglich, sobald sich die ersten Blattspitzen zeigen, mit einem Fungizid gegen echten Mehltau und andere Schadpilze gespritzt werden. Blattlausbefall an jungen Trieben beim Pfaffenhütchen sollte jetzt mit einem nützlingsschonenden Mittel gegen saugende Insekten erfolgen. Lärchen müssen auf Wolllausbefall kontrolliert werden. In diesem Monat ist Hagelschlag, der den Neuaustrieb stark beschädigen kann, nicht selten. Schattennetze halten Hagel erfolgreich ab. Mit erfolgtem Austrieb steigt der Wasserbedarf der Laubbäume stark an und der Regen reicht nun auch nicht mehr zur Bewässerung der Bonsai aus, da das Laub diesen meist an der Schale vorbeileitet. Laubbäume, Lärchen und eingewachsene Kiefern können jetzt gestaltet werden, da die Äste jetzt eine Richtungsänderung am besten vertragen und durch Rückschnitt entstandene große Wunden jetzt besonders schnell verheilen. In diesen Monat blühen die Ahornarten, die Esche, die Schlehe, die Hainbuche, die Lärche, die Eibe und einige andere.

Mai  Jetzt sind auch Esche, Eiche und Rotbuche ausgetrieben. Esche, Eiche und Fichte sind besonders spätfrostgefährdet und müssen deshalb, wenn Minustemperaturen zu erwarten sind, frostsicher aufgestellt werden. Die Eiche muss vorsorglich mit dem Erscheinen der ersten Blattspitzen mehrmals gegen echten Mehltau gespritzt werden. Bei der Rotbuche sollte jetzt die Buchenschmierlaus beim ersten Auftreten mit einem nützlingsschonenden Spritzmittel bekämpft werden. Eiche und Buche können 2 Wochen nach dem Austrieb das 1. Mal zurückgeschnitten werden. Ein Blattschnitt kann jetzt bei Linde, Hainbuche und den Ahornarten erfolgen. Es blühen jetzt die Zwergbirke, Apfel und Birne, sowie die Linde und die Eiche. Einige Laubbäume werden jetzt zum 2. Mal zurückgeschnitten. Die Lärchen und Eiben können jetzt ebenfalls zurückgeschnitten, die Fichten und der Wacholder zurückgezupft und bei den Kiefern die Kerzen herausgebrochen werden. Eine reichhaltige Düngung ist jetzt besonders erforderlich. Bei stark wachsenden Laubbäumen sind die Drähte, auch frisch angelegt, im Auge zu behalten, da sie jetzt schnell einwachsen. Für Linde, Berg- und Spitzahorn, Kastanie und Hainbuche ist jetzt die günstigste Zeit für einen Blattschnitt. Eichen bereits jetzt auf Mehltau kontrollieren. Linden, Eschen und Ulmen auf Blattfleckenkrankheit und Spinnmilben untersuchen. Eiche und Rotbuche 14 Tage nach dem Austrieb zurückschneiden. Nach weiteren 14 Tagen zu dicht stehende Blätter bei der Rotbuche reduzieren oder Blattschnitt vornehmen. Bei der Eiche sollte auf jeden Fall ein Blattschnitt erfolgen.

Juni Die meisten Laubbäume müssen jetzt regelmäßig geschnitten werden, oft mehrmals kurz hintereinander, weil die einzelnen Triebe zeitverzögert wachsen, meist zunächst im oberen Kronendrittel und erst dann die darunter liegenden. Da sich die heißen Tage jetzt häufen können, ist ein Regenwasserreservoir von Vorteil, weil die Gefahr der Bodenübersalzung dann nicht gegeben ist. Jetzt auftretende braune Blattränder sind ein Zeichen von zu hohem Salzgehalt im Boden oder Kalimangel. Durch Pilzbefall verursachte braune Blattränder treten meist bereits früher auf. Schon jetzt kann das Kaliumangebot für die Laubbäume erhöht werden, indem zusätzlich zu den Rapsschrotkugeln oder dem organischen Pulverdünger ein kaliumbetonter Mineraldünger gegeben wird. Hierbei muss man darauf achten, dass der Ballen vor der mineralischen Düngung angefeuchtet wurde und auch ein bis zwei Tage später nicht austrocknet. Bäume, die das erste Jahr in einer Schale stehen, können jetzt gestaltet werden. Wacholder und Lärche werden weiter regelmäßig zurückgezupft oder eventuell auch, wenn der Neuaustrieb noch nicht gekürzt wurde und dieser bereits verholzt, zurückgeschnitten. Das Dickenwachstum setzt jetzt oft plötzlich ein, besonders bei der Rotbuche, so dass gedrahtete Laubbäume alle 2 Tage kontrolliert und zu enge Drähte entfernt werden müssen. Die Vermehrungsrate von Spinnmilben und Läusen steigt jetzt rapide an. Alle Laubbäume und den Wacholder regelmäßig auf Befall kontrollieren. Letzte Möglichkeit bei den Laubbäumen für einen Blattschnitt. Von den meisten Laubgehölzen können jetzt Stecklinge genommen werden.

Juli Die meiste Zeit nimmt jetzt das Wässern ein. Größere Regenwasservorräte können sich jetzt günstig auf die Blätter der salzempfindlichen Laubgehölze auswirken. Kiefern können jetzt eingekürzt werden. Der Stickstoffgehalt im Dünger der Laubbäume kann jetzt reduziert werden, damit der letzte Austrieb des Jahres nicht nach dem August erfolgt. Die Laubgehölze treiben jetzt besonders unregelmäßig. Spinnmilben erreichen jetzt ihren Vermehrungshöhepunkt. Regelmäßige Kontrollen helfen, makelloses Herbstlaub zu sichern. Bäume auf Mehltaubefall kontrollieren, gegebenenfalls behandeln.

August Jetzt sollte bis zum Einsetzen der Herbstfärbung Stickstoff nur noch in geringen Mengen verabreicht werden. Neuaustriebe bei Laubbäumen werden jetzt frühzeitig pinziert. Kiefern können noch eingekürzt werden. Nadelbäume können schon um- gepflanzt werden, da sie jetzt besonders schnell wieder einwachsen. 14 Tage nach dem Umpflanzen vor heißer Sonne schützen. Nadelbaumfindlinge, für die man eine Sammelgenehmigung erhalten hat, können jetzt schon ausgegraben werden. Weiterhin möglichst mit Regenwasser gießen. Alle Bäume auf Spinnmilben kontrollieren und bei Befall behandeln. Die Laubbäume auf Mehltaubefall untersuchen und, wenn nötig, behandeln.

September Die Samen der meisten Bäume reifen jetzt und können gesammelt werden. An heißen Tagen muss weiter reichlich gegossen werden, aber es wird nicht mehr gedüngt. Ein Rückschnitt sollte bei Laubbäumen nicht mehr erfolgen. Nadelbäume können jetzt, bei gleichzeitigem Wurzelschnitt, umgetopft werden. Nadelbaumfindlinge, für die man eine Sammelgenehmigung erhalten hat, können jetzt ausgegraben werden.

Oktober Die Herbstfärbung setzt bei Bonsai oft zu einem anderen Zeitpunkt ein als bei der entsprechenden Art in der Natur, da sie vom Nährstoffgehalt im Boden mit beeinflusst wird. Bei Esche und Erlen findet keine Herbstfärbung statt. Während die Bäume sich verfärben, können sie noch einmal reichlich mit stickstoffbetontem Dünger versorgt werden. Die Nährstoffe werden jetzt eingelagert und sorgen für ein besonders kräftiges Dickenwachstum im nächsten Jahr. Allerdings treiben die Pflanzen im Frühjahr auch mit besonders großen Blättern aus. Bei frostfreier Überwinterung können Laubbäume neue Erde und gleichzeitig einen Wurzelschnitt erhalten.

November Sind die ersten kräftigen Fröste zu erwarten, sollten die Bäume eingewintert werden. Gedüngt wird im November nicht. Bei frostfreier Überwinterung kann bei Laubbäumen die Erde gewechselt und gleichzeitig ein Wurzelschnitt vorgenommen werden. Kiefern können dann auch gedrahtet werden.

Dezember Bei Frost ab -5'C Bäume zusätzlich durch Abdecken schützen. Gedüngt wird im Dezember nicht. Kiefern, die frostfrei überwintert werden, kann man jetzt drahten. 

C. Becker